Bundesinstitut für Erwachsenenbildung
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Herausforderungen angehen: Man lernt nie aus!

"Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr". Dieses alte Sprichwort ist heute im Hinblick auf das "lebenslange" Lernen nicht mehr gültig.

Herausforderungen angehen: Man lernt nie aus!

Lebenslanges Lernen schließt selbstverständlich auch „Bildung im Alter“ ein. Wobei sich gegenwärtig in Österreich in der nachberuflichen Lebenszeit deutlich mehr Frauen als Männer weiterbilden. Wir haben mit dem Experten Dr. Christian Kloyber, Direktor des Bundesinstituts für Erwachsenenbildung (bifeb) über das interessante und relevante Thema „Bildung im Alter“ gesprochen.

Herausforderungen angehen. „Bildung im Alter" muss eine Tatsache sein. Sie zu ignorieren, ist ein schwerwiegender Fehler postindustrieller Gesellschaften“, gibt Dr. Christian Kloyber zu bedenken. Denn: „Gesellschaftlich betrachtet, sind es zwei große demographische, soziale, politische und bildungspolitische Herausforderungen, die das 21. Jahrhundert weltweit prägen und bestimmen werden: Auf der einen Seite die demographische Entwicklung einer älter werdenden Gesellschaft und auf der anderen Seite große Migrationsbewegungen. Für den Erhalt von Lebensqualität in allen Dimensionen und damit verzahnt die Entwicklung unserer demokratischen Staaten ist lebenslanges Lernen – also der Erwerb humanistischer Grundwerte und Kompetenzen – ein leitendes Prinzip. Die überlieferten Bilder von ‚Jugend‘, dann ‚Erwachsenenalter‘ und ‚nachberufliche Lebenszeit‘ sowie ‚hohes Alter‘ sind im Umbruch. Neuordnungen gesellschaftlicher Traditionen sind daher nötig. Lernen bedeutet in diesen Zusammenhängen Veränderung und Entwicklung.“

Positive Impulse nützen. Das bifeb – es befindet sich in St. Wolfgang in Oberösterreich - ist das Kompetenzzentrum der Erwachsenenbildung in Österreich für Aus- und Weiterbildung. Das Bundesinstitut für Erwachsenenbildung wurde sowohl nach der Richtlinie des Österreichischen Umweltzeichens für Bildungseinrichtungen, als auch nach der Richtlinie für das Österreichischen Umweltzeichen für Tourismusbetriebe geprüft. Als positive Impulse durch die Zertifizierungen können eine Senkung des Energieverbrauchs (Strom, Gas), eine Reduzierung der Wassermenge sowie ein verringerter Einsatz von Reinigungsmitteln verbucht werden. Umwelt und Gesundheit sind wesentliche Anliegen des bifeb. Dr. Kloyber erkärt dazu: „Auch der Einkauf von Lebensmittel und Verbrauchsmaterialien sowie für den EDV-Bereich wird entsprechend der Vorgaben des Umweltzeichens nach Möglichkeit umgesetzt. Außerdem steht ein E-Ladepunkt unseren MitarbeiterInnen und Gästen zur Verfügung.“

"Lernen im Alter" - auch für Insitutionen. Umweltverträgliches Handeln muss auch gelernt werden. In welchem Ausmaß wird gegenwärtig „Bildung im Alter“ in Österreich realisiert, Herr Dr. Kloyber?

„Sozialministerium, Universitäten und die Erwachsenenbildung entwickeln eigene Programme. Im bifeb finden regelmäßig Tagungen, Enqueten und Workshops in Kooperation von Verbänden, Vereinen und dem Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz statt. Ausgebildete TrainerInnen und ExpertInnen vermitteln ihre Planungs- und Programmkompetenz im Feld der Erwachsenenbildung.“

Inwieweit nehmen ältere ÖsterreicherInnen entsprechende Lern-Angebot in Anspruch? Gibt es geschlechtersepzifische Unterschiede?

„Bildungsstatistiken berücksichtigen leider vor allem die Alterskohorten im Ausbildungsalter und im erwerbsfähigen Alter. Hier wären evidenzbasierte Daten wünschenswert. Aber allgemein kann gesagt werden, dass Erwachsenenbildung und ‚Bildung im Alter‘ ‚weiblich‘ ist, und zwar in einem übergroßen Ausmaß, d. h. weit über 65 %.“

Wie schaut es derzeit mit dem "Lernen im Alter" im ländlichen Raum in Österreich aus?

„Bildung im Alter bedeutet auch für Gemeinden im ländlichen Raum, vor allem in den Abwanderungsgebieten, wie Alpenraum und nördliches Waldviertel, ein radikales Umdenken: Infrastrukturen wurden in den letzten Jahrzehnten zerstört. In den Dörfern sind nacheinander das Wirtshaus, das Postamt, die Bäckerei und die kleinen Nahversorger verschwunden. Öffentliche Verkehrsnetze wurden nicht ausgebaut, die Mobilität ist deshalb sehr eingeschränkt. Und: Diese sozialen Parameter können nicht durch den ‚Internet-Glasfaser-Ausbau‘ kompensiert werden. Ansonsten droht in Österreich ein negatives Szenarium!“

Wie können ältere Menschen aus bildungsfernen Schichten erreicht werden?

„Integration älterer Menschen muss ein integrativer Bestandteil der Gesellschaft, in der Familie, im gesellschaftlichen Leben, in der Arbeitswelt, in allen gesellschaftlichen Kontexten sein. Dann sind sie auch erreichbar. Zur Kategorie ‚bildungsfern‘ möchte ich Folgendes zu bedenken geben: Wer ist von welcher Perspektive aus von was entfernt? Ist es nicht auch so, dass sich Bildung von Menschen ‚entfernt‘ hat – und nicht die Menschen in bestimmten sozialen und räumlichen ‚Milieus‘ von ihr?“

Mit diesem abschließenden Gedanken möchten wir Sie zum Nachdenken anregen. Ein herzliches Dankeschön an Herrn Dr. Christian Kloyber für Seine Argumente zum Thema „Bildung im Alter“ in Österreich. Wir wünschen Ihm weiterhin viel Kraft für Sein engagiertes Tun am bifeb!

TIPP:

Am bifeb kann das Weiterbildungszertifikat „Bildung im Alter“ erworben werden. Das Programm dazu finden Sie hier!